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Kolumne Westend Anzeiger, 03.02.05
(c) Friederike Trudzinski
Seit Felix sich an einem Maxi-Menü überfressen hat können wir uns nicht mehr bei McDonalds in der Schwanthalerstraße treffen. Das ist ein bisschen blöd, denn der lag so wunderbar zwischen unseren Zuhausen, dass ich jedes Mal „Gleichberechtigung“ dachte, wenn ich mir meine vier Fruchttüten holte.
Jetzt sitzen wir beim Orient-Imbiss und essen Döner. Felix versucht mir klar zu machen, dass die beliebte Weisheit, –„Döner macht schöner“– wirklich wahr ist. Und dass die Ascorbinsäure, mit der die fertig geschnittenen McDonalds Äpfel frisch gehalten werden dicker machen, als Dürüm. Und dass mir eh nichts besser bekommt, als ein gescheiter Fußmarsch.
Ich sehe aus dem Fenster, betrachte die Menschen, versuche zu verstehen.
Ich beiße lustlos auf dem vielen Fleisch herum, suche Salat, versuche zu genießen.
Felix Stimme verschwimmt mit dem wohlklingenden Türkisch hinter der Theke. Nichts gelingt. Ich denke: ich darf nicht mehr zu McDonalds.
Ich muss jetzt immer zu Fuß gehen. Ich bin dick und kränklich geworden. Und dann weine ich.
Die Tränen sind nicht mehr zu stoppen.
Viele Tränen. Meine Strickjacke hat Dreiviertelärmel. Ich habe nicht gewusst, wie erbärmlich hoffnungslos es ist, Tränen mit Dreiviertelärmeln zu trocknen zu versuchen. Meine Hände umklammern den Döner, während ich ihn zu meinen Wangen führe, um sie mit der Serviette abzutupfen. Brennende Augen von „scharf“. Dann fällt das ganze Fleisch aus meinem Döner. Und der Salat. Plötzlich fallen Unmengen Salat raus. Ich halte nur noch eine nasse Serviette in der Hand und heule.
Aber dann passiert das Schöne: der wunderbare ältere –wie sagt man?– Dönercier kommt zu mir, gibt mir einen Stapel Servietten, macht mir einen Dönerteller aufs Haus und tröstet mich rührend. Felix hat auch schon eine ganze Weile zu essen aufgehört und angefangen sich zu kümmern. Er fährt mich dann sogar mit dem Auto heim. Während wir uns weiter und weiter von den Dönern entfernen überlege ich, wie ich Ko nach einem WG-Zimmer in der Bergmannstraße frage. Oder wenigstens nach einer Show.
(c) Friederike Trudzinski, 03.02.05
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