|
Kolumne Westend Anzeiger, 31.03.05
(c) Felix Bonke
Woran ich mich in Filmen niemals gewöhnen kann, sind Ausländer, die zwar einen Akzent haben wie ein Austauschstudent im ersten Semester, aber nie Grammatikfehler machen und einen Wortschatz parat haben, als wären sie gerade zum Chef des Goethe-Instituts ernannt worden. So gesehen letztens in der ARD bei „Vera, die Frau des Sizilianers.“ Das geht dann ungefähr so: Der italienische Eisverkäufer sagt zu seiner Frau in breitestem Akzent: „Wo ist Gaettano denn nur? Der Nichtsnutz sollte mir doch bei der Portionierung der Eiskugeln zur Hand gehen!“ Woraufhin seine Frau einen perfekten Konjunktiv II aus dem Zylinder zaubert und ihm entgegnet: „Er sagte, er brächte nur schnell seine Vespa in die Werkstatt und käme dann etwas später.“
Jeder Bewohner des Westends schüttelt da nur den Kopf. Das ist eine Welt die es so einfach nicht gibt, und die auch kein Mensch so haben möchte. Unsere ausländischen Mitbürger nicht, weil die sich natürlich grob auf den Arm genommen fühlen, wenn im Fernsehen so getan wird, als sei die deutsche Grammatik mal eben so auf der Autofahrt von Sizilien nach Wanne-Eickel zu lernen, und wir Deutschen nicht, weil wir genau wissen, dass wir nach zwei Wochen im Ausland noch nicht einmal fehlerfrei bis drei zählen können. Nein, die Deutschen wollen sich daran freuen, dass sich die Zugesiedelten schwer tun mit unserer Sprache. Sie erwarten es sogar geradezu von ihnen.
Kemal, der Inhaber des anatolischen Schmankerl-Palasts am Gollierplatz, ist seit zwanzig Jahren in München und spricht besser Deutsch als alle Ministerpräsidenten, die Bayern je hatte. Trotzdem hat er es aufgegeben, zu seinen deutschen Kunden zu sagen: „Hätten Sie auf Ihrem Döner-Sandwich gerne eine Komposition aus allen Zutaten oder möchten sie die Beilagen einzeln auswählen? Sehr zu empfehlen ist auch unsere pikante Gewürzmischung.“ Zuviele Gäste verließen daraufhin völlig verstört den Imbiss und kamen nie mehr wieder. Doch seit Kemal wieder dazu übergegangen ist, seine Döner nach der klassischen Trias („mit alles?“, „scharf?“ und „Drei Euro fuffzsch“) zu verkaufen, läuft der Laden wieder.
Das, liebe Fernsehmacher, ist das wirkliche Leben. Schöne Grüße aus dem Westend.
(c) Felix Bonke, 31.03.05
[eins höher]
|
|