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Westend ist Dies:

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Kolumne Westend Anzeiger, 10.02.05
(c) Felix Bonke

Signal and noise

Trambahnhaltestelle Holzapfelstraße. Ich steige aus. Es ist halb drei Uhr in der Nacht, und der eisige Schluchtenwind der Landsberger Straße sucht nach einer nachlässig geknöpften Stelle an meinem Mantel, um darin einzudringen und sich kalt über meine Haut zu legen. Er macht das immer so. Ich weiß, dass er neidisch ist, weil er nicht wie ich aus ordentlicher Materie besteht und ihm die Fähigkeit zu fühlen fehlt, und darum spendet er mir frostige Umarmungen und zeigt mir so, dass Fühlen auch ganz schön unvorteilhaft sein kann. Doch ich lache ihn nur aus.
Gegen zwei Flaschen Wein und ein gutes Gespräch kommt er nicht an. Zwei Flaschen Wein und ein gutes Gespräch reichen aus, um aus der Pickelfresse des Alltags ein strahlend schönes Gesicht zu machen. Neuschnee auf der Straße. An anderen Tagen hätte ich gesagt: nutzlos, Wasser, das die schwachsinnige Ambition hat, Gestalt anzunehmen, doch heute knirschen meine Schuhe im Schnee, und ich laufe auf Wolken, die singen.
„Signal and noise“, hat sie gesagt, „das ist das Leben.“, und dass wild gefunkt wird in dieser Welt, und dass viele glauben, alles sei nur ein großes undurchdringliches Rauschen. Und ich sei auch so einer. Immer alle Sender gleichzeitig eingestellt haben und sich dann beschweren, dass man den Groove nicht raushört. „Aber da ist Groove auf dieser Welt, sogar verdammt viel, und da sind Frequenzen, und da musst du dich eintunen, sonst ergibt das alles keinen Sinn.
Wer nicht filtert, wird niemals ordentlichen Kaffee trinken“, sagte sie. Ich fand zwar, dass der Vergleich ein bisschen hinkte, doch ich hatte verstanden, was sie meinte.
Am Vinzenz Murr quatschen mich ein paar Leute an, von denen ich nicht sagen kann, ob sie gerade vom Fasching kommen oder einfach bloß schlecht angezogen sind. Ich gebe ihnen Feuer. Einer von ihnen raucht eine Menthol-Zigarette und ich höre, wie sie beim Anzünden knistert. „Cooler Sound“ sage ich. „Hast du sie noch alle?“, erwidert der Kerl. Ich wünsche ihm einen schönen Abend.
Ich lege einen kurzen 50 Meter-Sprint ein. Das mache ich sonst eigentlich nur an schlechten Tagen, weil man danach fühlen kann, wie der Puls in einem regelmäßig schlägt, auch wenn das Leben aus dem Takt geraten ist. Für einen Moment vermisse ich die Ratten, die im Sommer die Mülleimer vor dem Saturn Hansa umvölkern. Ich balanciere auf einer der Bänke und gehe erst weiter in Richtung Wohnung, als ich mit einem Schneeball genau in die Mitte des Döner-Ös an meinem Lieblings-Imbiss getroffen habe. Der Wind versucht es noch ein letztes Mal, mich zu ärgern, doch ich grinse nur und verschwinde hinter meiner Haustür.


(c) Felix Bonke, 10.02.05

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