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Westend ist Dies:

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Kolumne Westend Anzeiger, 10.03.05
(c) Sacha storz

Es gibt Dinge, die man nicht auf die leichte Schulter nehmen darf. Wenn man seine Schulden nicht mehr zahlen kann zum Beispiel, wenn der Lebensabschnittsgefährte sagt „Mir reicht’s endgültig mit dir“, oder wenn man sich nach der Wiesn nicht mehr an seinen Namen erinnern kann usw. – jedem bekannt, alter Hut, kein Thema. Ein ebenso alarmierender Umstand ist in meinen Augen aber, wenn man im Stammlokal nicht mehr das Gericht erhält, das man dort (a) immer schon gegessen hat und (b) auch weiterhin essen will. In meinem speziellen Fall handelt es sich um den Italiener in meiner Straße. Der hatte eine Gemüselasagne auf der Karte, die sich aber so was von gewaschen hat, wenn man das bei Nudelgerichten sagen kann, man stelle sich vor: Saftig, sahnig, üppig, Riesenportion – mein Leibgericht! Und dann, ich weiß noch, es war ein Dienstag, sagt der Ober doch glatt zu mir: „Haben wir nicht.“ Ganz ohne Umschweife, als sei das das Allerselbstverständlichste von der Welt. Meinem fassungslosen Gesicht muss er entnommen haben, das irgendetwas nicht stimmt, denn er fügte hinzu: „Farfalle mit Pesto?“ Ich nickte nur – dabei hasse ich Pesto und finde Farfalle doof. Nudeln, die aussehen wie Schmetterlinge, das ist doch unnatürlich, eine Nudel hat auszusehen wie eine Nudel. Und Pesto? Davon kann ich einen ganzes Glas für fünf Euro im Supermarkt kaufen, da brauch ich ja wohl nicht ins Restaurant gehen, oder was?!

Als ich mich wieder gefangen hatte, murmelte ich meiner Begleitung, später dann auch den umsitzenden Gästen zu: „Das können die doch nicht machen!“ und „Die spinnen doch!“ und „Ich will Gemüselasagne!“ und dergleichen. Bis ich nach dem dritten Grappa den Ober offen ansprach: „Aber Sie hatten doch immer eine so tolle Gemüselasagne! Wo ist die? Hä?!“ Worauf er höflich, jedoch bestimmt dabei blieb, die gäbe es nun mal nicht mehr, um im weiteren Verlauf des Gesprächs höflich, jedoch bestimmt darauf hinzuweisen, ich solle jetzt bitte das Lokal verlassen. Gut, vielleicht wurde ich ausfällig. Vielleicht wurde ich ein bisschen laut. Vielleicht hätte ich auch nicht mit dem Gesundheitsamt, der Bild-Zeitung und der Polizei drohen sollen. Auch die Aussage „Ich kriege jetzt meine Gemüselasagne, sonst zünde ich Euch den Laden an!“ war übertrieben, ja. Aber es gibt Dinge, die man nicht auf die leichte Schulter nehmen darf, das wird doch jeder einsehen? Ich bitte deshalb Sie, verehrte Leserin, verehrten Leser, wenn Sie in ein italienisches Restaurant gehen, bestellen Sie Gemüselasagne, bestehen Sie auf Gemüselasagne! Auch wenn Sie sie selber nicht mögen, rufen Sie mich an, ich hole sie dann ab. Sie würden damit mir und der gastronomischen Landschaft des Viertels einen großen Gefallen tun!

(c) Sacha storz, 10.03.05

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