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Der Buckelwal
(c) Sacha Storz, 2004
Buckelwale zählen zu den Bartenwalen, werden bis zu 50 Tonnen schwer und leben im allgemeinen im Meer. Manche leben auch auf Raumschiffen und werden von Captain Kirk durch die Zeit transportiert, das ist jedoch eher selten. Am bekanntesten sind Buckelwale sicherlich für ihre im Tierreich einzigartigen, wunderschönen Walgesänge, mit denen die Männchen versuchen, paarungswillige Weibchen anzulocken. Nun, dass beleibte Lebewesen zu stundenlangen Gesängen neigen ist auch von anderen Tierarten bekannt, zum Beispiel von Pavarottis oder von Nacktschnecken, dabei singen Nacktschnecken aber nicht so schön wie Buckelwale, das aber nur nebenbei.
Buckelwale ernähren sich in der Regel von kleinen Krebsen und Fischen, außer an Ostern, da essen sie aus religiösen Gründen nur Muffins. In Buckelwalraststätten werden dann traditionellerweise Schokomuffins (in der Größe einer Waschmaschine) gereicht, und auch Buckelwalunterwäschemodels und Buckelwalmannequins lassen endlich mal fünf grade und das Hungern sein, gönnen sich eine Leckerei und flirten dabei ausgelassen mit den Buckelwalkellnern. Dieses typische Paarungsverhalten bei Buckelwalen führt dazu, dass an Ostern weit überdurchschnittlich viele Buckelwalbabys gezeugt werden, weswegen es bei Buckelwalen auch heißt: “Alles flachlegen, was nicht bis Karfreitag auf dem Baum ist”, eine Redensart, die ansonsten im Tierreich nicht viel Sinn macht.
Buckelwale sind sehr verspielte Tiere, wie man bei sogenannten Walewatching-Touren beobachten kann. Sie spielen gerne Bridge, Frisby oder Maumau, am allerliebsten jedoch spielen sie Verstecken. In den unendlichen Weiten der Weltmeere schwimmen sie dann Tausende von Kilometern weit, tarnen sich mit einem Büschel Plankton oder einem Fischerboot, das sie versenkt haben und freuen sich diebisch, wenn ihr Spielkamerad sie nicht findet. Ja, Buckelwale entwickeln eine wahre Meisterschaft im Suchen immer ausgefallenerer und unwahrscheinlicherer Verstecke. Erst letztens entdeckte ich einen Buckelwal in einer Keksdose auf meinem Dachboden, wo er nicht weniger als drei Jahre ausgeharrt hatte, nur um nicht von seinen Mitspielern gefunden zu werden. Erst von einer mir befreundeten Seemöwe, die manchmal auf ein Bier vorbei kommt, erfuhr er, dass die Suche längst abgeblasen war. Man sieht, Buckelwale sind sehr hartnäckige und ausdauernde Tiere.
Buckelwale sind auch sehr intelligent und sensibel. Unter den Bartenwalen sind sie sicher die sensibelste Art, sie können niemanden weinen sehen, ohne gleich mitzuheulen, sie lieben romantische Musik, und oft pflegen sie Brieffreundschaften mit schöngeistigen Pinguinen. In den Briefwechseln tauschen sie sich dann aus über die Schönheit von Sonnenuntergängen oder ähnliches, und verfassen dazu Sonette, Haikus, Prosagedichte oder (wer hätte das gedacht) Walgesänge. Die siebenstündige “Ode eines Buckelwals an den Sonnenaufgang im Ostpazifik” zum Beispiel gilt unter Pinguinen als das schönste, was je von einem Meeressäuger geschrieben wurde. Menschen können sich dieser Begeisterung zumindest nicht gänzlich und vorbehaltlos anschließen, weswegen sie die Buckelwale wegen Fleisch, Fett und Lebertran beinahe ausgerottet haben, das aber nur nebenbei.
Interessant ist auch das ausgeklügelte Sozialsystem der Buckelwale, die ja in Herden zusammenleben. Es gibt einen Oberwal, es gibt Leit- und Gefolgschaftswale, es gibt Führungs- und Hilfswale, Walunterhausvertreterwale und Walbeobachtungswale, die die Wahl des Oberwals beaufsichtigen, damit alles mit rechten Dingen zugeht, wenn der Oberwal in einem einfachen Walverfahren bestimmt wird: Der Wal, der die meisten Stimmen erhält, wird nämlich Oberwal, nicht so wie in Florida, aber in Florida gibt es ja auch keine Buckelwale.
Und damit sich das ändert, fordere ich Euch an dieser Stelle dringend auf, sehr verehrtes Publikum, die Buckelwale zu unterstützen, die nicht nur in Florida selten geworden sind, sondern insgesamt vor dem Aussterben stehen. Kauft zum Beispiel Buckelwalgesang-CDs, deren Erlös direkt in die Jacque-Cousteau-Awareness-Stiftung geht, Ihr könnt im Anschluss an die Lesung vorn am Kiosk eine erwerben; gebt Euren Kindern keinen Lebertran mehr, und spendet das gesparte Geld an Greenpeace; beschimpft japanische Touristen in der Innenstadt, weil sie sich nicht an die Fangquoten halten; mit einem Wort: Tut etwas, werdet aktiv für eine bedrohte Tierart, engagiert Euch für die Buckelwale und die Demokratie. Eine bessere Welt ist möglich. Dankeschön.
(c) Sacha Storz, 2004 [eins höher] |
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