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Den Tauben nix erlauben!
(c) Felix Bonke, 2006
Dass die Taube als Symbol des Friedens gilt, halte ich für den größten Treppenwitz der Geschichte. Ich habe noch nie eins von diesen Biestern mit einem Lorbeerzweig im Schnabel gesehen, und sollte das jemals vorkommen, dann trägt die Taube den Zweig gewiss nicht als Friedensgruß, sondern um sich auf meinem Balkon ein Nest damit zu bauen.
Wenn du einmal ein Taubennest auf deinem Balkon hast, geht alles den Bach runter. Du kannst kein ethisches Leben mehr führen. Entweder, du verzichtest auf dein persönliches Glück, was ja das Ziel der Ethik nicht sein kann, oder du verzichtest auf den Tierschutz. Ich finde sowieso, dass der Tierschutz eindeutig überbewertet wird. Zumindest lässt er zu wenige Ausnahmen zu. Ich meine, irgendwo muss ja die Evolution auch weitergehen. Der Mensch auch mal seine Überlegenheit gegenüber anderen Kreaturen zeigen dürfen.
Jeden Tag gehen Arten zugrunde, die der Mensch gerne erhalten hätte. Schmetterlinge mit herrlich bunten Flügeln, die sich in der Fauna des Amazonas-Dschungels nicht durchsetzten konnten oder Schildkröten, die 150 Jahre nur rumliegen und aussterben, weil sie aus Faulheit die Fortpflanzung vergessen. Friedliche Wesen, die keinem etwas zuleide tun, verabschieden sich tagtäglich ins Geschichtsbuch der Evolution. Warum denn nicht auch mal die Tauben?
Tauben nutzen unsere Zivilisiertheit schamlos aus. In einem unbemerkten Moment bauen sie ein Nest auf deinen Balkon und legen zwei Eier rein. Und in unserer verweichlichten Zeit, in der Nazis demonstrieren dürfen und die Abwehr der deutschen Fußball-Nationalmannschaft sich nicht traut, ihren Gegnern den Ball wegzunehmen, sagt man sich natürlich: „Ja, liebe Tauben, brütet eure Eier in aller Ruhe aus, aber sagt mir nur rechtzeitig Bescheid, wenn die Kleinen flügge werden, damit ich ihnen mit einem Taschentuch hinterherwinken kann.“
Widerlich ist das. Und dann wundert man sich, wenn man eines Tages seinen Balkon betreten möchte, und auf einmal flattert dir so ein aggressiver Federknödel ins Gesicht, dreht fauchend drei Runden in deiner Wohnung und kehrt dann wütend zu seinen Eiern zurück, mit einem Blick wie Olli Kahn wenn man ihm Bananen anbietet. Da geht kein vernünftiger Mensch mehr raus auf seinen Balkon. Angsterfüllt wartet man ab, bis der Nachwuchs geschlüpft ist und hofft, dass die Dinger möglichst schnell flügge werden.
Aber die werden nicht flügge, diese Miststücke. Wochenlang sitzen sie bloß faul in ihrem Nest rum, machen Lärm und lassen sich von Mama durchfüttern. Bis sie irgendwann zum Abheben viel zu fett sind. Deswegen muss sie die Mutter dann noch ein paar weitere Wochen auf Diät setzen. Dass zwischendurch die gesamte Verwandtschaft regelmäßig nach den Kleinen schaut und den Balkon von oben bis unten zuscheißt, versteht sich von selbst, und kaum hat sich die neueste Generation dann endlich mal in die Lüfte geschwungen, liegen schon wieder die nächsten beiden Eier im Nest. Als friedliebender Mensch hast du keine Chance, aus diesem Teufelskreis wieder rauszukommen.
Als gewaltbereiter jedoch schon. Deswegen möchte ich an dieser Stelle daran erinnern, dass Tauben durchaus essbar sind. Mit dem Verzehr jeder Taube werden ein paar Quadratmeter menschlichen Siedlungsgebietes zurückgewonnen. Denn wir verlieren immer mehr Territorium. Erst die Balkone, dann werden es unsere Wohnungen sein, und schließlich werden sie uns aus den Höhlen vertreiben, in denen wir uns vor ihnen verkriechen. Die Tauben haben die Gutmütigkeit des Menschen als Schwachstelle erkannt. Sie wollen uns aus der Evolution verdrängen. Ihre großdarwinistische Offensive hat längst begonnen. Und deswegen müssen wir dringend was tun und der Integrationspolitik von Tauben einen Riegel vorschieben.
Denn nicht umsonst heißen sie Ratten der Lüfte. Sie sind dumm, hässlich und fortpflanzungsgeil. Und so verabscheuungswürdig, dass nicht einmal das Vogelgrippe-Virus sie wollte. Füttert also keine Tauben mehr, sondern esst sie. Leistet euren aktiven Beitrag zur Evolution und träumt gemeinsam mit mir von einer Welt, in der die einzigen Tauben, die es noch gibt, die Gehörlosen sind.
(c) Felix Bonke, 2006 [eins höher] |
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